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Handwerk und Industrie – 1

erschienen in: Heft 3/2014

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Die Entwicklung von Handwerk und Industrie in Wittgensdorf
Autoren: Rena Fritzsche, Ullrich Nier, Kultur- und Heimatverein Wittgensdorfe.V.
Beginnend mit diesem Beitrag wollen wir uns in der Folge mit der Entwicklung von
Handwerk und Industrie in Wittgensdorf befassen. Dabei sollen die einzelnen
Bereiche des Handwerkes und die nachfolgende Entwicklung zu industriellen
Produktionsformen näher beleuchtet werden.
Ausgehendvon der Besiedlung unseres Gebietes um 1150 durch fränkisch-
rheinische Bauern wird nach (1) „Solch ein Treck ... auch in den Landstreifen
zwischen den kleinen Bächen Bara (Bahre) und Murschnitz, zwischen Chemnitzaue
und „Hoher Straße“ (Leipziger Straße) eingewiesen. Für den Waldenburger (Hugo
von Waldenburg) war damit des Wittigen Dorf entstanden". Weiter heißt es in (1):
Von den 300 „Seelen“ , auf die man Wittgensdorf um 1500 schätzen kann, sind nicht alle
reine Ackerbauern gewesen. Schon 200 Jahre früher hatten sich verschiedene
landwirtschaftliche Gewerbe zur Selbständigkeit entwickelt. Es gab mehrere Mühlen,
Bäckereien, Hufschmiede, Steinbrüche.“In der Folgezeit entstanden weitere
Gewerke zur Befriedigung der wirtschaftlichen und persönlichen Bedürfnisse der
Einwohner Wittgensdorfs. Dazu wird in (1) bemerkt: "Um 1650 finden wir fast alle für die
menschlichen Bedürfnisse nötigen Handwerker am Orte. .... Wagner,
Zimmerleute, Tischler, Maurer, Röhrenbohrer, Leineweber betreiben ihr Handwerk."
Hier finden wir erstmals einen Hinweis auf ein textilherstellendes - Leineweber - und
textilverarbeitendes Handwerk. "Die Familien Ahner und Mänig (Meinig) u.a. sind
Schneider" (1).
Handwebstuhl, ca. 1750
Vor dem Dreißigjährigen Krieg (1618 - 1648) gehörte die Leineweberei neben der
Landwirtschaft zu den wichtigsten Erwerbsquellen der Dorfbewohner. Auch in vielen
Bauernstuben stand ein Handwebstuhl und sorgte besonders in den Wintermonaten für
das notwendige Einkommen. Dieser Krieg stellte jedoch auch für Wittgensdorf eine
erhebliche Zäsur dar. Die Leineweberei spielte keine Rolle mehr und ist nahezu
ausgelöscht. In (1) wird dazu geschrieben:
" Von 1657 lesen wir: Das Dorf ist ganz unvermögend und verwahrlost", für die
Aufbauarbeiten müssen alle Handwerker aus weniger versehrten Orten geholt
werden. Endlich 1660 "ist das Churfürstenthum in geruhigem Zustande". 1700:
"Wohlfeile Zeit, Pestilenz weit entfernt. Wittgensdorf und Murschnitz bey gar Volk
reicher Zahl in stiller Ruhe".
Nun kann sich das Dorf wieder erholen und an den weiteren Aufbau denken. Ein
sicheres Zeichen dafür ist die Entwicklung der Einwohnerzahlen. In (2) finden wir
dazu folgende Tabelle sowie die nachstehenden Ausführungen:
Entwicklung der Einwohnerzahl in Wittgensdorf
JahrEinwohner
1650 320
1700 365
1750 600
1800 1100
1825 1780
1850 2650
1870 3500
1880 4100
1890 5000
1900 5800
Das Jahr 1758 verzeichnet nahezu ein Verdopplung der Einwohner gegenüber dem
Jahr 1700. Hier zeigt sich ein neuer industrieller Ansatz in der Textilbranche, die aus
Frankreich kommende Strumpfwirkerei.Ursprünglich kam diese Erfindung aus
England. William Lee, geboren in der Nähe von Nottingham, hatte den ersten
Wirkstuhl gebaut. Seine Erfindung fand aber wenig Interesse in seiner Heimat. Er
ging nach Frankreich, wo seinem Wirkstuhl wesentlich mehr Aufmerksamkeit zuteil
wurde und seinen Siegeszug auch nach Deutschland fortsetzte. Dabei hatte das
Modebewusstsein des deutschen Adels einen nicht unwesentlichen Einfluss. Man
kleidete sich nach der französischen Mode - der Mann trug Kniebundhose und
Stöckelschuhe und es galt das unbedeckte Männerbein mit feinen Strümpfen zu
umhüllen.
Französische Mode in Deutschland
1. Drittel 18. Jahrhundert
So wurde die Strumpfwirkerei zur Basis für die weitere Entwicklung der Textilindustrie
unseres Dorfes. 1758 hatte Wittgensdorf bereits 700 Einwohner – darunter befanden

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